Kammerspiele Wien

Monsieur Claude und seine Töchter

Kammerspiele Wien / Premiere am 8.9.2016

Wiederaufnahme am 20.9.2017

Uraufführung

Komödie nach dem gleichnamigen Film von Philippe De Chauveron und Guy Laurent
Für die Bühne adaptiert von Stefan Zimmermann

mit Siegfried Walther, Susa Meyer, Michaela Kaspar, Silvia Meisterle, Daniela Golpashin, Martina Ebm/Sophie Resch, Ljubisa Grujcic, Vinzent Bueno, Martin Niedermair, Peter Marton, Felix Kama, Ida Ouhé-Schmidt und Markus Kofler

Regie Folke Braband
Bühne Tom Presting
Kostüme Nicole von Graevenitz
Dramaturgie Matthias Asboth, Silke Ofner
Szenenfotos Herwig Prammer
Video Jan Frankl

Monsieur Claude und seine Frau Marie sind ein zufriedenes Ehepaar in der französischen Provinz und haben vier ziemlich schöne Töchter. Am glücklichsten sind sie, wenn die Familientraditionen genau so bleiben wie sie sind. Erst als sich drei ihrer Töchter mit einem Muslim, einem Juden und einem Chinesen verheiraten, geraten sie unter Anpassungsdruck. In die französische Lebensart weht der raue Wind der Globalisierung und jedes gemütliche Familienfest gerät zum interkulturellen Minenfeld. Musik in den Elternohren ist da die Ankündigung der jüngsten Tochter, einen – Halleluja! – französischen Katholiken zu heiraten. Doch als sie ihrem vierten Schwiegersohn, dem schwarzen Charles, gegenüberstehen, reißt Claude und Marie der Geduldsfaden. Geschwächt durch Beschneidungsrituale, Hühnchen halal und koscheres Dim Sum ist ihr Toleranzvorrat restlos aufgebraucht. Doch auch Charles‘ Familie knirscht über diese Partie mächtig mit den Zähnen. Weniger um bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen als sie zu sabotieren, lassen sich die Eltern auf ein Kennenlernen ein. Was folgt ist ein Gemetzel der nationalen Ressentiments und kulturellen Vorurteile. Bis das familiäre Federnrupfen dem Brautpaar die Lust an der Hochzeit zu verderben droht…

Presse

„Monsieur Claude und seine Töchter“ bewährt sich auch auf der Bühne. Folke Braband zündet souverän ein Pointenfeuerwerk. Die Geschichte bietet Trost angesichts unüberwindlich scheinender religiöser und/oder rassischer Gegensätze. Zwischen koscherem Champagner und Truthahn à la Sechuan amüsierte sich das Publikum köstlich. Siegfried Walther schwingt als Notar Claude Verneuil, Patriarch, Familienmensch, Gaullist, kurz die Kettensäge, als auch seine jüngste Tochter Laura (Martina Ebm) Charles (Peter M. Marton), einen „maximal pigmentierten“ Schauspieler von der Elfenbeinküste, heiraten will. Treffende Dialoge mit Esprit. Der Mittelstand, das wird bei aller Not, den Kriegen, dem Elend auf dieser Erde manchmal vergessen, wächst ja weltweit – und damit auch das Selbstbewusstsein, sich im Balanceakt zwischen der traditionellen Kultur und jener der Kolonialmächte zu orientieren. Die dankbarsten Rollen an diesem Abend hat der spindeldürre Markus Kofler. Alles in allem: ein höchst vergnüglicher Abend mit Esprit in den Kammerspielen, den das Publikum mit dem Test im Programmheft beschließen kann, der da heißt: „Mal ehrlich, sind Sie ein Rassist?“ Die Presse

Regisseur Folke Braband macht daraus im klugen, mit vielen sehr witzigen Projektionen arbeitenden Bühnenbild von Tom Presting einen schwungvollen Clash der Kulturen mit hohem Lachfaktor, ohne jedoch seine Protagonisten der puren Lächerlichkeit auszuliefern. Diese danken es ihm auch mit spürbarer Lust am Spiel, mit Tempo, Drive und Präzision.
An der Spitze der hinreißende Siegfried Walther als Monsieur Claude, der – anders als der im Film völlig überdreht agierende Christian Clavier – einen echten, nachvollziehbaren Charakter formt. Die Pointen holt sich Walther mühelos, doch zeichnet er auch das Porträt eine Mannes, der die Welt nicht mehr versteht, der erst spät zur (humanen) Einsicht kommt. Eine tolle Leistung! Kurier

Folke Braband inszeniert die Filmdramatisierung schwungvoll, ihm gelingt eine flotte Choreografie der Untergriffigkeiten mit netten Details – so trägt Laura (Martina Ebm) einmal ein Shirt mit dem nach den Anschlägen von Paris berühmt gewordenen Eiffelturm-Peace-Zeichen. Lachen mit Schauer – Rassismuskomödie – das ist ein schwieriges Genre. Schon dem Film haben manche unterstellt, dass er nur altbekannte platte Ressentiments schüre. Und tatsächlich läuft einem bei manchem Witz trotz schallendem Lachen gleichzeitig ein Schauer über den Rücken. Das Ensemble rund um Siegfried Walther als Tobsucht spuckender Claude und Susa Meyer als seine regulierende Frau Marie schafft es aber, das Bizarre an den Situationen munter herauszuschälen. Wenn Chao (Vincent Bueno) seinem jüdischen Schwager androht: „Wir Chinesen kaufen alles, sogar Israel!“, oder wenn Charles, der Verlobte von der Elfenbeinküste (Peter M. Marton), als Reaktion auf die geschockten Schwiegereltern beim ersten Treffen zu Laura sagt: „Du hättest mich schon vorwarnen können, dass deine Eltern weiß sind“, dann wird die ganze Lächerlichkeit bornierter Vorurteile deutlich. Noch deutlicher wird sie, wenn die Eltern von Charles kommen und Claude in sein afrikanisches Spiegelbild blickt. Wie die beiden über den jeweiligen „Ich bin kein Rassist, aber“-Bekenntnissen Freunde werden, ist so rührend wie entlarvend. Und der trockene Felix Kama und die großartig quirlige Ida Ouhé-Schmidt als Charles’ Eltern sind ohnehin das Highlight eines Abends, der zweifellos zum Publikumserfolg werden wird.Wiener Zeitung

Monsieur Claude ist die Adaption der gleichnamigen französischen Filmkomödie von Philippe de Chauveron und Guy Laurent aus 2014, die das Bedürfnis von über zehn Millionen Zuschauern nach Wohlfühlmultikulti erfüllte. Von dieser Heiterkeitsdiversität und all ihren Missverständnissen lebt auch die Inszenierung Folke Brabands. Bei Monsieur Claude kann man aber Lockerheit im Umgang mit Neuem trainieren und sich an famoser Schauspielkunst erfreuen: insbesondere Markus Kofler in wechselnden Rollen. Der Standard

Darf man über angebliche jüdische Kleinkrämer, arabische Machos, asiatische Hundeliebhaber und „Braune“ von Afrikas Elfenbeinküste lachen? Man darf! Besonders dann, wenn Vorurteile so charmant durch den Kakao gezogen werden. Kronen Zeitung

Und wieder hat Folke Braband einen Komödienhit gelandet. An den Kammerspielen zeigt der Regisseur nach seiner großartigen Vorjahrsinszenierung von „Der nackte Wahnsinn“ die Bühnenadaption von „Monsieur Claude und seine Töchter“ und beweist sich damit einmal mehr als Meister des Boulevards. Er hat die französische Filmvorlage aus dem Jahr 2014 in einen Gute-Laune-Abend verwandelt, der allerdings bei hohem Funfaktor nicht aus den Augen verliert, dass hier durchaus die brisanten Themen zur Zeit abgehandelt werden. Mitunter fallen Sätze, da stockt einem der Atem, heißt: die Welt hat sich in den vergangenen beiden Jahren gedreht, hat Menschen näher aneinander gerückt, eine Not, für die manche nicht im Entferntesten bereits sind, Verständnis aufzubringen. Braband und Zimmermann nehmen diese Entwicklungen aufs Korn, und nehmen sie so ernst, dass ihnen gar nichts anderes übrigbleibt, als darüber ein Lachen zu legen. (…) Sie haben die gängigen Klischees bis zur Selbstentlarvung zugespitzt und Braband lässt sie vom Ensemble nun lustvoll ausspielen. Seine Unterhaltung hat Haltung. Im diesbezüglich durchkomponierten Programmheft mit seltsamen Europakarten samt „Dracula- und Autodiebländern“ findet sich dafür ein Psycho-Fragebogen: Mal ehrlich, sind Sie ein Rassist? Mottingers Meinung

Folke Braband hat sie mit einer Bombenbesetzung einfach als starke Komödie inszeniert, bei der man sich schon während der kurzen Musikbrücken auf die nächste Szene freut, auf die geniale Komik, mit der sich die einzelnen Darsteller ernsthaft über die von ihnen gespielten Typen lustig machen können. Kultur und Wein